Smart PA
Wann und wie gelingt präzise Bewegungsförderung?
Viele Menschen nehmen sich vor, körperlich aktiver zu werden, scheitern jedoch daran, ihre Vorsätze im Alltag umzusetzen. Häufig liegt das daran, dass kontextuelle Faktoren (z. B. Stress, Zeitmangel, Wetter) den Vorsatz, sich mehr zu bewegen, durchkreuzen. Wenn wir Menschen langfristig bei der Erreichung ihrer Aktivitätsziele unterstützen wollen, müssen (digitale) Interventionen diese kontextuellen Einflüsse berücksichtigen. Das SmartPA-Projekt untersuchte daher, wie situative, motivationale und emotionale Faktoren auf Mikroebene (Stunden bis Tage) beeinflussen, ob Bewegungsabsichten tatsächlich in Verhalten umgesetzt werden.
Methodisches Vorgehen
Mit intensiven Längsschnittmethoden wie Ecological Momentary Assessment (EMA) wurden mehrmals täglich Daten zu Intentionen, Selbstwirksamkeit, Planung, emotionalem Befinden und Kontextbedingungen in Bezug auf körperliche Aktivität erfasst. Dieses Vorgehen wurde zunächst in Beobachtungsstudien angewandt und später in Interventionsstudien wie einem Micro-randomized Trial (MRT) und einer randomisiert-kontrollierten Studie (RCT).
Zentrale Ergebnisse
- Studie 1: Momentane Bewegungsintentionen erhöhten die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von 4 Stunden aktiv zu werden, um das ~28-Fache. Ein Viertel der Intentionen blieb jedoch unerfüllt.
- Studie 2: Positive, energiegeladene Affektzustände und geringe Kontextbarrieren erleichterten die Bildung solcher Intentionen, führten jedoch nicht direkt zu mehr Verhalten.
- Studie 3: Eine mobile Intervention mit verstärkten Implementierungsintentionen (konkrete Handlungspläne) führte zu ~18 Minuten mehr täglich berichteter moderater bis intensiver körperlicher Aktivität im Vergleich zu einer aktiven Kontrollgruppe (Selbstmonitoring).
Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass sowohl reflektive Prozesse (Intention, Planung, Selbstwirksamkeit) als auch automatische Prozesse (Affekt, Kontext-Cues) eine Rolle bei der Umsetzung von Bewegungsabsichten im Alltag spielen.
Bedeutung für digitale Interventionen
Basierend auf den Studienergebnissen wurde das Konzept der „Transitional Intentions“ – kurzfristige, kontextsensitive Ableitungen von langfristigen Verhaltensabsichten – als zentrales Konstrukt präziser, kontextsensitiver Gesundheitsförderung definiert. Darauf aufbauend entstand ein mikro-dynamisches Modell körperlicher Aktivität, das sozial-kognitive und Dual-Process-Theorien um eine zeitlich-dynamische Perspektive erweitert.
Das Modell liefert konkrete Anhaltspunkte für die Gestaltung von Just-in-Time Adaptive Interventions (JITAIs). Diese können Nutzer:innen z. B. genau in den Momenten unterstützen, in denen Barrieren gering sind oder Intentionen Verstärkung benötigen. Darüber hinaus wurde erstmals der Einsatz von generativer KI zur Erstellung von JITAIs evaluiert: Nutzer:innen akzeptierten KI-generierte Interventionen besser als solche, die von medizinischen Fachpersonen verfasst wurden.
Publikationen zum Projekt
- Haag, D., Carrozzo, E., Pannicke, B., Niebauer, J., & Blechert, J. (2023). Within-person association of volitional factors and physical activity: Insights from an EMA study. Psychology of Sport and Exercise, 68, 102445.
- Haag, D., Smeddinck, J. D., Vogelsang, A., & Blechert, J. (2025). Contextual and affective precursors of physical activity intention and enactment examined through EMA. Psychology of Sport and Exercise, 77, 102796.
- Haag, D., Aulbach, M., Islambouli, R., Smeddinck, J., Thürmer, J., & Blechert, J. (2025). Turning Goals into Action: How Reinforced Implementation Intentions Can Boost Physical Activity. [OSF Preprint]
- Haag, D., Kumar, D., Gruber, S., Hofer, D. P., Sareban, M., Treff, G., Niebauer, J., Bull, C. N., Schmidt, A., & Smeddinck, J. D. (2025). The Last JITAI? Exploring Large Language Models for Issuing JITAIs. CHI 2025.
Kontaktperson
Dr.-Ing. Jan David Smeddinck, BSc, MSc
Principal Investigator und Co-Director
+43 (0) 5 7255 82711 wna.fzrqqvapx@yot.np.ng